Kartoffelstärke mit Kokosöl

 oder Erdäpfelsalat mit Kernöl?

Letztes Jahr kam ein Kunstkäse, eine Milchkäse-Imitation* in die Geschäfte, die schon (fast) wie Käse schmeckt.  Das ist erfreulich, denn was zuvor an einschlägigen Imitaten auf  dem Markt war, konnten nur  fanatisch-ideologisch gestählte Veganer mit dem  Milchprodukt assoziieren. Laut Inhaltsangabe besteht das neue Kunsterzeugnis im wesentlichen aus Kokosöl und Kartoffelstärke, dazu natürlich die hier unvermeidlichen chemischen Hilfsmittel und die chemische Hirngrütze um das Ganze zu erdenken und die chemische Fertigkeit um es zu verwirklichen..

Da könnte einer kommen und fragen: Wozu der immense Aufwand, wozu im Hexenkessel die Erdfrucht in Kuhsekret wandeln. Warum nicht einfach das Gute, das so nahe liegt, nehmen: Erdäpfelsalat mit Kernöl. (Wer Kürbiskernöl als Wagenschmiere empfindet, dem bietet sich eine reiche Auswahl anderer Pflanzenöle an).

Die Frage ist wohl müßig, der Trend zum Künstlichen scheint unter Leuten, die dem Fleisch und der Milch abschwören unaufhaltsam – Inhaber veganer Läden berichten, der Hauptumsatz entfalle auf Fleischimitate und dergleichen.

Die Zeiten wandeln sich und der Zeitgeist nicht minder. Einst war Vegetariern alles was niach Fleisch roch oder schmeckte ein Gräuel, sie mokierten sich über Fleischliebhaber als Leichenfresser. Heute achten viele darauf , dass sich in ihre Nahrung auch nicht das kleinste E-Nummerchen, das tierischen  Ursprungs sein könnte verirrt, doch ausschauen und schmecken muss es wie Fleisch.

„Gebackener Säugling“ auf der Speisekarte im Restaurant  für ein veganes Gericht fänden wohl die meisten makaber,  doch „gebratene Gans“, immerhin auch ein fühlendes Wesen, gefällt (wenn auch nicht allen). Nun denn, wenn es hilft, von echtem Fleisch abzulassen, warum nicht. (Allerdings erleichtert es auch die Rückkehr zum echten Fleisch).

Großer Jubel herrscht über jedes neue vegane Geschäft.  Wir wissen, die sozialen Verhältnisse, die Arbeitswelt ändern sich, Fertiggerichte treten and die Stelle von Ursprünglichem.

Dennoch, eine kleine Reminiszenz sei erlaubt. Einst war das Sortiment der Lebensmittelgeschäfte vorwiegend vegan: Getreide Weizen, Roggen,  Gerste, Hafer, Mais als Mehl, als Gries, manches als Flocken oder Graupen, Haiden (Buchweizen), Hülsenfrüchte aller Art, Bohnen, große, kleine, Erbsen, Linsen (auch als Fertiggericht), Erdäpfel, Öle, Obst roh und getrocknet, Gemüse roh und als Fertiggericht, Zucker … vieles einfach zuzubereiten.

Wie wäre es, Mehl, Hülsenfrüchte, Erdäpfel  einmal natürlich und nicht industriell zu Fleisch gewandelt, zu versuchen?

  Erwin Lauppert, aus anima Nr.1/2014